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Datum: 06. February 2012 - Uhrzeit: 19:26

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Von der ersten Idee zum Prototyp

 

Quelle: Internet Handelsblatt 14.07.2004

 

Ob es um die Anmeldung eines Patentes geht, um die Vermarktung einer Erfindung oder die Einführung einer neuen Technologie im Betrieb: Sich durch den Wust an Formalitäten zu arbeiten, ist für Kleinbetriebe oft schwierig.Deshalb bieten die Handwerkskammern (HwK) über ihre Technologieberater kostenlos Rat und Tat.

HB DÜSSELDORF. Antonius Köster hat mit der Handwerkskammer Arnsberg reiche Erfahrung gesammelt, fühlt sich seinem dortigen Technologieberater Peter Tönnes eng verbunden. Der Berater vermittelt Kösters mittelständischem Modellbaubetrieb in Meschede neue Geschäftskontakte oder hilft bei der Verwirklichung von Erfindungen. „Mein Unternehmen ist technologisch orientiert“, erzählt Köster. „Ich biete Industrieunternehmen Dienstleistungen rund um Formen- und Werkzeugbau, Produktentwicklung und CAD/CAM- Einsatz an.“

Technologieberater Tönnes hat für ihn beispielsweise den Kontakt zur Uni Siegen geknüpft. Hier wurden besonders kleine Operationswerkzeuge für minimal invasive Hüftoperationen mit dem Roboter benötigt. „Ich habe ein solches Werkzeug entwickeln und konstruieren können“, so Köster. „Für mich war das eine spannende und anspruchsvolle Arbeit.“ Auch bei der Patentierung und der Suche nach Fördergeldern leistete Berater Tönnes Hilfestellung.

Kennen gelernt hatten sich die beiden auf einer Veranstaltung des Technologie-Transfer-Rings Handwerk (TTH), zu dem sich die Technologieberater in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen haben. Seit 1986 gibt es dieses Netzwerk, das sich die Betreuung des innovativen Handwerks zum Ziel gesetzt hat. „Die Berater befassen sich mit jedem Problem, das ein Handwerker an sie heranträgt“, betont Bernd Schwabe, Leiter des TTH. „Umgekehrt widmen wir uns aber auch aktuellen Themen wie dem Qualitätsmanagement, der Lasertechnik Anfang der neunziger Jahre oder den Kooperationsmöglichkeiten zwischen dem Handwerk und der Gesundheitswirtschaft.“ Der TTH bietet Seminare an und gibt Broschüren heraus. Auch bundesweit tauschen sich die 59 Technologie-Transfer-Stellen aus – in einem Netzwerk, dem mehr als 89 Berater angehören. Gesteuert wird es über das Heinz-Piest-Institut in Hannover (HPI). „Die Berater tauschen sich bei kniffligen Fällen aus. Sie treffen sich zu Expertenrunden, filtern Technologien heraus, die für das Handwerk in Zukunft relevant sind und erarbeiten Handlungsfelder“, erläutert Manfred Fülbier vom HPI.

Auch Köster ist beeindruckt von dem Spektrum an Kontakten, das sein HWK-Berater Tönnes zu Hochschulen, Industrie und natürlich anderen Handwerksunternehmen hat. Diese Kontakte nutzte auch Ingenieur Volker Listringhaus aus Neuenrade, der ein neues Ablaufventil für Abflüsse in Waschbecken erfunden hat. Tönnes vermittelte ihn an die Fachhochschule Meschede, wo Studenten die theoretischen Grundlagen für seine Idee erarbeiteten und den Prototyp bauten.  Auch die nächsten Schritte sind schon geplant. So hat der Erfinder während der Technologie-Kongressmesse des TTH Kontakt zu einer Unternehmensberatung aufgenommen, die sich auf die Vermarktung von Patenten und Erfindungen spezialisiert hat. „Unterstützung bei der Markteinführung ist ein ganz wichtiger Punkt unserer Arbeit,“ betont Schwabe, „denn daran scheitern viele gute Erfindungen, selbst solche mit Patent.“

Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt die Vermarktung innovativer Produkte und Verfahren noch bis März 2005 mit dem Projekt „Erfinderförderung im Handwerk“ (EFH-3). Gemeinsam mit dem Projektpartner Erfinderzentrum Norddeutschland soll ein vermarktungsbezogenes Dienstleistungsangebot entwickelt werden, das sich an alle Handwerksunternehmen mit Innovationen richtet. Die Sensibilisierung für das Thema und die Beratung bei Fragen der Patentverwertung, der Eigen- oder Fremdnutzung sowie Lizenzierung sind Schwerpunkte des Angebots. Insgesamt stellt das Ministerium 235 000 Euro zur Verfügung. „Denn die beste Technik nützt nichts, wenn sie sich nicht betriebswirtschaftlich rechnet“, sagt Rolf Müller, Technologieberater der HwK Koblenz.

Die Patentierung einer Innovation selbst ist ein überschaubarer Vorgang. Doch besteht oft großer Beratungsbedarf, wenn es um die Förderung der oft hohen Patentkosten geht.

Das zeigt das Beispiel von Dachdeckermeister Josef Plottek, der eine Justiervorrichtung zum Ausloten von Dachrinnen erfunden hatte. Die Kammer Münster vermittelte ihm eine Patentberatung beim TTH. Die stellte fest, dass er die Voraussetzungen für ein mittelständisches Förderprogramm erfüllte und ließ eine Recherche zum Stand der Technik durchführen. Das Ergebnis: Es gab noch keine vergleichbare Lösung , so dass mit Hilfe eines Patentanwaltes ein Patent angemeldet werden konnte. „Die Kosten für den Patentanwalt können reduziert werden, wenn die Firmen ihre Idee durch den Technologieberater mit Patentdatenbanken abgleichen lassen“, sagt Rolf Müller von der HwK Koblenz. Dann sei die Gefahr gering, ein anderes Schutzrecht zu verletzen. Müller beispielsweise hat dem Heizungsbauer Horst Großmann aus Bad Ems geholfen, seinen „sich selbst reinigenden Rasenmäher“ zur Patentreife zu bringen.

Unter dem Motto „Praxis Mittelstand“ steht dieser Beitrag, der in Kooperation mit dem Deutschen Handwerksblatt entstanden ist. Die Autorinnen sind Redakteure der in Düsseldorf erscheinenden Handwerkszeitung.

 

 

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